Über die Typen der Lenkdrachen-Flieger oder auch Zappeldrachen-Flieger 
genannt ...
(Fishmäään hat hier einige Drachenflieger beobachtet, beschrieben und kategorisiert. Bitte Humor vor dem Lesen einschalten !)

Der Powerkiter ,
 

 

hat am Anfang über alle Erwachsenen gelacht,  die einen Drachen steigen lassen, bis er mal einen Lenkdrachen in die Hand bekam, der ein wenig Zugkraft hatte und hat "Feuer gefangen".
Schon ist der erste Drachen gekauft und er frönt seiner neuen Leidenschaft . Die ersten Tage meist alleine, dann beginnt jedoch die Phase mit dem gewaltigen Kommunikationsbedürfnis.
Jeder der in Rufweite gerät, ist reif. Die Drachenflieger bekommen regelrecht ihr mehr oder weniger fundiertes Wissen „abgesaugt“. Die eigentlich zufälligen Spaziergänger werden mit „Bis vor kurzem dachte ich auch noch das ist Kinderkram“ und dem bisher abgesaugten Fachwissen zugetextet. 
Erstgenannte Opfer stürzen den neugeborenen Powerkiter vor die erste große Entscheidung bezüglich seines neuen Hobbys. Matte oder Stabdrachen, zwei oder vier Leinen? 
Damit wird er wohl die nächsten Tage und Wochen seine Lebensabschnittsbegleitung um den Verstand bringen. Das geht meist solange, bis der Partner aufgibt und sich das Elend auf der Wiese, wenigstens 2-3 mal pro Monat anschaut. 
Nun ist das Bankkonto schwer in Gefahr. Sitztrapez diverses Fluggerät und der erste Urlaub an der Küste hauen böse rein. 
Nach diesem Urlaub sieht man ihn noch ein paar mal auf der Wiese , weil der bestellte Buggy noch nicht geliefert ist  und weg isser.
Nennt sich dann Traktionssportler
und das andere Drachensteigen ist wieder Kinderkram.


Die Aldi`s
 

Kaufen bei Aldi oder Lidl einen Drachen.  Für ein oder zwei mal im Jahr ist das genug "Kohle". 
Fahren mit Enkel oder Kind ( die Ommma sitzt hinten) mit dem Auto bis auf die Wiese, steigen aus ( die Ommma bleibt drin, weil es iss ja so windisch ) verteilen mit Unterstützung des Abkömmlings das Verpackungsmaterial weitläufig auf der Wiese. 
Nach mehreren Aufbauversuchen mit unterschiedlichsten Ergebnissen folgt der erste Startversuch. Der Pilot , mit einer Silhouette wie "Jesus am Kreuz",  rudert er und blökt Anweisungen
. In der Regel hat er nach 'ner halben Stunde die Nase voll. 
Er faltet den Aldi zusammen, wickelt die Schnur drum und zieht ab. Manchmal wird der Abkömmling noch losgescheucht, wenigstens den Verpackungskram zusammenzuraffen, wenn man sich schon soviel Zeit genommen hat und der Abkömmling schon keine Lust hat, mit dem Wind zu rennen. 
Ein kleiner Teil der Aldi’s sucht Kontakt und werden irgendwann Drachenfans.


Der High-end Apree-kiter
 

kommt meist äußerst cool zur Wiese. Steigt aus dem Wagen der direkt an aber nicht auf der Wiese steht, beobachtet und riecht erstmal die Windgüte, bevor er repräsentativ zum Kofferraum geht und diesen öffnet. In der Regel wird als erstes das absolut neuste und geilste Teil ausgepackt, dass ihm sein (es ist übrigens der Beste in der westlichen Welt) Stammdrachenhändler irgendwie unter großen Mühen besorgen konnte. 
Mit wichtigem Blick
wird der Drachen ausgepackt, aufgebaut, und in alle Himmelsrichtungen gegen das Licht gehalten. 
Ich vermute , dass mit diesem rituellen Verhalten Kommunikationspartner angelockt werden sollen. Eigentlich bin ich mir da sogar sicher, denn es funktioniert meistens. Wenn dann der geeignete Partner angelockt wurde, werden noch einige Edelteile ausgepackt und aufgebaut um weiteren Gesprächsstoff zu haben. Der angelockte, andere Apree-kiter holt mal schnell um nicht als arme Sau dazustehen, seine neusten Errungenschaften und baut sie auf. Dann wird’s auch schon langsam wieder dunkel. 
Es wird alles wieder eingepackt, ohne ,dass es auch wirklich geflogen wäre, das nächste Wochenende ist schon gebongt aber dann wird auch geflogen, ist man sich einig und fährt  - mit Vorfreude aufs nächste Wochenende - heim.


Der Schönflieger

kommt auf die Wiese, sucht sich einen Platz mit reichlich Abstand weil er seine Ruhe haben will. Er hat zwei höchstens drei Drachen dabei. 
Meist relativ große, eher langsame Drachen. Mit langen Schwänzen und an langer Schnur ziehen sie dann gemütlich ihre Bahnen und Kreise am Himmel. 
Halt einfach schön anzuschauen, zum Abschalten. Diese Sorte wird leider
immer seltener oder zieht sich zum Fliegen in entlegene Gebiete um wirklich ihre Ruhe zu haben. Schade !


Der Verbaltrickser,
 

hat in der Regel einige gängige Trickdrachen. Die Filme von Dodd Gross hat er oder kriegt er demnächst gebrannt. Er kennt jeden einzelnen Trick, sogar mit Vornamen und weis mit welchem Drachen, bei welchem Wind der jeweilige Trick am Besten geht. Bloß fliegen kann er sie nicht. 
Meistens liegt es am Wind oder am Drachen , nachdem er auf das edlere Competition-Gestänge umgerüstet wurde. Irgendwie tut er nicht mehr so wie er soll. 
Aus dieser Sorte kann dann ein Trickflieger werden. Dann muss man allerdings um das (ehemals sprudelnde) Fachwissen regelrecht betteln, wenn man was lernen will. Diese Unterart des Lenkrachenfliegers kann man überall antreffen. In den ersten 1 bis 2 Jahren trifft man ihn auch häufig an der Küste an weil er ja normalerweise alle Tricks drauf hat aber er braucht halt bessere Windbedingungen um an „den Feinheiten zu feilen“.
Falls er Familie hat, kann einem diese Leid tun, denn der ganze Urlaub steht "im Zeichen des Drachen".


Der Trickser,
 

hat in der Regel auch 'ne Drachentasche voll mit Trickdrachen. Hat aber meistens die selben Drachen am Wickel. Mit der Zeit hat er seine Richtung, seinen Flugstil und seine Favoriten gefunden. Das heißt nicht etwa , dass da nix Neues mehr dazu käme. Es muss dann aber was Besonderes sein. Erstmal seinen Favoriten aufgebaut, wird sich kurz umgeschaut , man will ja wissen ob es auch jemand sieht und der Drachen wird gestartet. Bei Vielen hat der Drachen dann nach ca. 5 Flugsekunden 6-8 Tricks hinter sich, bevor er stilvoll gelandet wird. 
Der Trickser marschiert noch mal vor zum Drachen, fummelt kurz hier und da dran rum, geht an die Schlaufen, und fliegt dann 'ne ganze Weile was das Zeug hält. Wenn er sich dann erstmal ausgetobt hat, ist er auch ansprechbar und meist recht umgänglich.
Erfahrene Trickser und jene, die noch nicht solange Trickser sind, lassen sich leicht auseinander halten. 
Der erfahrene Trickser wird sich erst erheben und zum Drachen gehen, wenn er überzeugt ist, dass er wenigstens zehn Minuten am Stück fliegen kann.
Der Unerfahrene hingegen rennt und wetzt jeder Thermikblase hinterher um seinen Axel oder sonst was zu verbessern. 
Man munkelt, dass wenn Trickser alle Tricks können die es so gibt, langsam  Interesse an die Einleiner entwickeln. Anzutreffen ist er überwiegend im Binnenland.
An der Küste hält er sich meist nur zum Familienurlaub auf und jammert dort häufig über zuviel Wind.


Der Wettkampf-Flieger,

ist eine Spezies , die ich aufgrund meines einmaligen Wettkampfbesuchs beschreiben kann.
Auf dem Wettkampfgelände angekommen, war von Spaß keine Rede mehr. Obwohl nach telefonischer Auskunft,  neben der Meisterschaft , noch ein richtiges Drachenfest stattfinden sollte.
Egal, auf jeden Fall wird alles sehr ernst genommen. Ob nachts um 22 Uhr noch mal ein toller Wind  zum Nachtfliegen mit Walkman und Spaß dabei ist oder nicht. Denn am nächsten Tag braucht man die volle Konzentration und man muss ausgeschlafen sein. 
Bevor eine Spreize eingebaut wird, wird eine Klangprobe gemacht und durchs Rohr gepeilt. Beschriftungen auf  dem Gestänge wurden abgerubbelt um den Gegnern  keinen Hinweis auf das gewählte „Set up“ zu geben (das ist wie bei Formel 1,mit der Heizdecke auf den Reifen ,
die Ehrgeizlinge..... ) .  
Es sind aber nicht alle so. Genauso finden wir auch viele zugängliche, nicht abgehobene unter ihnen. Zum Beispiel Ralf Elias über dessen Können kein Zweifel besteht. Das waren eigentlich nur Eindrücke die ich auf einer( nur einer) Wettkampfveranstaltung gesammelt habe. Auf anderen mag es (hoffe ich ) anders sein.
Auf alle Fälle sind das Lenkdrachenflieger „von Herzen“, denn sie opfern viel Freizeit und tun oft mehr als die meisten anderen Drachenflieger um dieses Hobby oder diesen Sport zu fördern. 
Und Einige werden dann auch Einleinerflieger.


Der vielseitige Lenkdrachenflieger,
hat so ziemlich alles was sich in der Luft lenken läßt. Von Einleiner bis Vierleinern. Sogar Achtleiner hab' ich da schon gesehen. Ein Teil von ihnen baut auch selbst, da ihr vielseitiges Interesse auch nach einer Vielzahl von Drachenmodellen schreit. 
Diese alle zu kaufen, kann sich nicht jeder leisten und wenn er dann trotzdem eine Vielzahl haben will, lernt er gezwungenermaßen das Nähen. Das Selbstbauen passt auch gut zu seinem Hang, alles was er nicht kennt, auszuprobieren. Von dem Vielseitigen kann man viel lernen, da er sich in der Regel an einem neuen Teil festbeißt, bis er es wenigstens soweit beherrscht, dass er auf jedem normalen Drachenfest damit fliegen kann , ohne von den Cracks belächelt zu werden. Seine Gunst erwirbt man am einfachsten, wenn man einen Drachen sein eigen nennt, den er noch nicht geflogen hat und ihn reizt. Aber wie spricht man ihn am besten an?
Da ist Kreativität gefragt. Sprüche, wie "Hallo, wie ich sehe ist in Deiner Drachentasche, bis auf ein Kuchenblech alles drin was Spaß macht", können dabei sehr hilfreich sein, müssen aber nicht. Um es kurz zu nennen:

Weckt sein Interesse, und ihr habt die Möglichkeit, mit seiner Hilfe (und seiner Drachentasche.), fast das ganze Spektrum des Lenkdrachenfliegens, bzw. der erhältlichen Lenkdrachenvarianten kennen zulernen. Aber erst wenn er Dein neues Teil, dass er noch nicht in der Mangel hatte, getestet hat
.

Der Lenkdrachenfliegerdinosaurier,

ist meist nur schwer auszumachen. Das liegt daran, dass er nach all den Jahren keine Lust mehr hat, auf immer die gleichen Fragen zu antworten oder sich auf Drachenfesten vom Moderator feiern zu lassen. 
Unter ihnen sind ehemalige Weltmeister genauso zu finden, wie Leute , die ohne Probleme bei "Deutschen Meisterschaften" auf dem Treppchen stehen könnten aber keinen Bock mehr auf den ganzen Rummel haben. Einige bestreiten heute  (meiner Meinung nach unter schweren Bedingungen) sogar ihren Lebensunterhalt mit Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Drachen und Windspielen jeglicher Art.
Wenn sie jedoch an Wettkämpfen teilnehmen, kann man nur staunen.
Ein Beispiel wäre ein einfacher Rokakukampf auf einem Drachenfest,
bei dem Wolfgang Grimsel mitfliegt. Der fliegt teilweise mit einer Leine präziser
als die meisten mit zweien. Diese seltene aber um so bedeutendere Art der Lenkdrachenflieger  kann man zumeist auf traditionsreichen Lenkdrachenfesten antreffen.
Jedoch sind große Auftritte eher die Seltenheit. Vielmehr treffen sie sich mit Leuten aus der alten Zeit und feiern, dass wieder ein Jahr 'rum ist.


Die Ignoranten
Wer kennt sie nicht aus anderen Sportarten ? 
Bestens gestylt und mit dem teuersten Equipment ausgestattet, traben sie an. 
Frei nach dem Motto: "Geld spielt keine Rolle, nicht kleckern sondern klotzen, der erste Eindruck zählt".
Das 250 Euro teure Teil wird aufgebaut, Leinen dran und los geht's. 
Drachen starten klappt noch so einigermaßen, Fliegen und Landen eher schon problematisch. Beim Landen die Wiese verfehlt, der Drachen flackt auf dem Asphalt. Dann wird gezogen was die Leine hält und sich anschließend gewundert, dass auch feinstes Icarex reißt oder die teuren, gewickelten Stäbe mal brechen. "Scheiß Material". 
Macht aber nix, den Schrott verpacken , das nächste Edelteil auspacken und schon geht's weiter. Nachdem dann der "Super Ultra Light" , eher für die Halle gebaut, bei 4bft - eigentlich ohne ersichtlichen Grund - den Geist aufgibt und in den Drachenhimmel verbannt ist, kommen dann die Kommentare. 
"In dem Drachenladen XY kaufe ich nix mehr. Schlechte Beratung. Da bekommst Du nur Schrott angedreht." und so weiter und so weiter. 
Aber ein Trost bleibt den "echten Drachenpiloten" : 
Die Ignoranten bleiben nur kurz, sehr schnell haben sie ein nächstes Hobby gefunden !